Das Projekt

Die Sommer-Floßtour war ein Projekt von Heinz Ratz und seiner Band ‚Strom und Wasser’: Fluchtschiff - Die große Sommer-Floßtour 2014 für und mit Flüchtlingsfrauen.

Women in Exile & Friends war mit Aktivistinnen mit oder ohne Fluchthintergrund dabei. Unser Aufruf: Flüchtlingsfrauen werden laut!

Informationen über die Arbeit von Women in Exile & Friend und über aktuelle flüchtlingspolitische Ereignisse aus feministischer Perspektive: http://women-in-exile.net/

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Trauer und Wut

IMG_7754An unserem Infotisch kommen zwei Frauen auf uns zu und wollen uns kennenlernen. Mit ihrer schicken Kleidung und dem gepflegten Make-up unterscheiden sie sich sehr von uns in unserem verschwitzen und zerknitterten Aktivistinnen-Outfit. Nurie und Aishe fragen interessiert, wer wir sind und was wir machen. Die beiden kommen aus Afghanistan, leider spricht keine von uns Farsi, egal, auf Englisch und langsam, in einfachem Deutsch geht es auch. Beide lächeln strahlend, während wir erzählen und sehen uns aufmerksam in die Augen. Wir laden sie ein, mit uns zu reisen, sie sind begeistert und fragen mehrmals nach, ob das wirklich möglich ist. Dama erklärt, dass wir nicht im Hotel schlafen, sondern manchmal auf Matten auf dem Fußboden, alle zusammen in einem Raum. Das schreckt Nurie und Aishe nicht ab, aber Aishe hat eine anderthalbjährige Tochter und ist besorgt, ob es auch mit Kind möglich ist, mitzureisen. Als sie Magda kennenlernt, die ebenfalls mit ihrer 15 Monate alten Tochter unterwegs ist, ist sie beruhigt.
Wir erklären ihnen, wie sie einen „Urlaubsschein“ beantragen können. Glücklicherweise hat Aishe schon eine Aufenthaltserlaubnis und darf reisen, aber ohne ihre Freundin Nurie will sie nicht mitfahren – Nurie sagt, es sei sehr wichtig, eine gute Freundin im „Heim“ zu haben und sich Freundinnen gut auszuwählen. Aishe fühlt sich vielleicht auch sicherer, wenn Nurie dabei ist. Sie kann kein Englisch und noch nicht viel Deutsch, weil sie erst vor kurzem einen Deutschkurs anfangen konnte – es gab keinen Kurs mit Kinderbetreuung.
Später erzählt Aishe, dass sie über die Türkei geflohen ist und von dort mit dem Boot nach Europa gekommen ist. Sofort habe ich Bilder im Kopf: Ich denke an viele Menschen in einem kleinen Boot und hohe Wellen und an das Gefühl von Schutzlosigkeit, das ich habe, wenn ein großes Schiff auf unser Floß zukommt. Ich frage vorsichtig: „Das war bestimmt schwer?“ Aishe sagt: „Ja, sehr schwer.“ Ich frage sie, ob sie allein gekommen ist. Sie sagt, nein, mit ihrem Mann und ihrer dreijährigen Tochter, und sie sieht jetzt sehr traurig aus. Ich frage: „Deine Tochter?“ Dann erst verstehe ich: „Deine Tochter ist gestorben?“ „Ja“, sagt sie und blickt zu Boden und trotzdem lächelt sie schüchtern und auch traurig. Ich versuche, mein Mitgefühl deutlich zu machen, und weiß aber gleichzeitig, dass ich sie nicht trösten kann, weil ich sie doch gerade erst kennengelernt habe. Und ich bin nicht sicher, habe ich sie wirklich richtig verstanden? Ich weiß auch überhaupt nicht, wie ich einer Frau Trost zusprechen kann, die so etwas erlebt hat, wie soll das gehen?

PS: Nurie hat keine Erlaubnis bekommen, „den zugewiesenen Aufenthaltsbereich vorübergehend zu verlassen“. Die beiden können deshalb nicht mit uns reisen. Das macht uns wütend.

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